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„Nichts ist gewiss außer die stete Veränderung“

Florian Nöll

Florian Nöll kennt die deutsche Start-up Szene.

Florian Nöll ist Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups e. V. Der „Unternehmer aus Überzeugung“ engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Gründungsförderung.

Herr Nöll, wie steht es um die deutsche Startup Szene?

Das deutsche Startup-Ökosystem gedeiht und ist erwachsen geworden. Die Netzwerke sind gefestigt, relevante Akteure sind seit ein paar Jahren am Markt, es kommen jeden Monat neue hinzu und der VC-Markt (Venture Capital-Markt) entwickelt sich positiv. Die Richtung stimmt. Bei genauerer Betrachtung kann man jedoch noch lange nicht zufrieden sein, vor allem im Hinblick auf die Rahmenbedingungen, innerhalb derer die deutschen Startups gegründet werden und wachsen sollen.

Mit Blick auf die wichtigsten weltweiten Startups taucht Deutschland nicht auf. Woran liegt das?

Das liegt auch daran, dass wir insbesondere bei innovationslastigen Geschäftsmodellen noch nicht dort sind, wo andere Standorte bereits sind. Vergleichen wir uns mit den USA oder Israel, hinken wir im Bereich Hightech-Gründungen weit hinterher. Das Paradoxe daran: An unseren deutschen Universitäten wird Forschung auf Weltniveau betrieben. Teilweise gelangen die Forschungsergebnisse auch hier bis zur Marktreife. Doch spätestens dann ist Schluss. Die in Deutschland entwickelten Technologien auch hier zu vermarkten und zu monetarisieren, klappt aus verschiedenen Gründen nicht. So wurde beispielsweise die MP3-Technologie oder die Technologie, die es braucht um Musik und Filme im Internet zu streamen, hier in Deutschland entwickelt. Doch die großen ökonomischen Erfolge feiern Unternehmen außerhalb Deutschlands mit der Vermarktung dieser Technologien. Die USA und Israel schaffen es, hier den nötigen letzten Schritt zu gehen. Das Thema Hochschul-Spin-offs wird also in den kommenden Jahren eine sehr wichtige Baustelle sein.

Sie sehen offenbar einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in Startups oder warum engagieren Sie sich so stark für sie?

Startups sind bereits heute echte Jobmotoren. In Berlin sind mehr Menschen in der Digitalwirtschaft beschäftigt als im industriellen Sektor. In Deutschland sind 100.000 Menschen in Startups beschäftigt. In Zukunft werden es um ein Vielfaches mehr sein. Außerdem: Wenn wir unsere Wirtschaft, unsere Konzerne und unseren Mittelstand digitalisieren wollen, dann geht das nicht ohne die Startups. Sie sind dynamisch und flexibel genug, die Digitalisierung jeden Tag neu in ihr Geschäftsmodell zu integrieren. Die etablierte Wirtschaft muss sich für Startups öffnen, denn nur durch das Zusammenspiel von Startups und etablierter Wirtschaft können wir uns unseren Wohlstand auch in Zukunft sichern.

Finden Sie, dass seitens der Bundesregierung genug für Gründer getan wird?

In der letzten Legislatur wurden Fortschritte gemacht, insbesondere das Bundeswirtschaftsministerium hat Förderprogramme erweitert und neu aufgestellt. Doch die Geschwindigkeit der Gestaltung der Digitalisierung durch die Politik ist noch nicht angemessen. Insbesondere beim Datenschutz sind wir nicht international wettbewerbsfähig, aber auch bei der Versorgung mit schnellem Internet sind wir nicht einmal Mittelmaß. Die Nachfrage nach Wagniskapital wird noch nicht annähernd durch deutsche Wagniskapitalfonds gedeckt und bei der digitalen Bildung hinken wir hinterher. Es wurde also noch nicht genug getan, um das volle Potenzial der deutschen Startup-Wirtschaft auszuschöpfen.

„Startups und Digitalisierung sind nicht getrennt voneinander zu betrachten, sie bedingen einander.“

Und was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung?

Im Koalitionsvertrag der neuen Großen Koalition finden sich viele gute Punkte. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung. Wir sind froh, dass hier klare Verantwortlichkeiten geschaffen wurden. Dr. Helge Braun als Chef des Bundeskanzleramtes und Dorothee Bär als Staatsministerin für Digitales sind jene Personen in der neuen Bundesregierung, die dafür Sorge tragen müssen, dass der Koalitionsvertrag im Beriech Digitales auch umgesetzt wird. An dieser Umsetzung werden wir die Bundesregierung und ihre Mitglieder messen. Neben der Bundesregierung müssen die Digital-Verantwortlichkeiten auch im Parlament abgebildet werden. Der Ausschuss Digitale Agenda des Bundestages muss endlich aufgewertet werden und bei einschlägigen Gesetzesvorschlägen die Federführung erhalten. Zusätzlich muss das Bundeskanzleramt bei allen Digitalisierungsfragen ein Vetorecht am Kabinettstisch bekommen.

Ihren absoluten Hype erleben Startups dank der Digitalisierung. Woran liegt das?

Startups bringen nicht nur selbst neue Technologien zur Marktreife, sondern sie sind auch Motor bei der Digitalisierung der etablierten Wirtschaft. Startups und Digitalisierung sind also nicht getrennt voneinander zu betrachten, sie bedingen einander.

Wären Startups ohne schnelles Internet überhaupt denkbar?

Nein. Es kommt hier zwar auf das Geschäftsmodell der Startups an, ob sie hohe Bandbreiten benötigen, aber die allermeisten Startups haben digitale Produkte und Dienstleistungen. Wenn dann breitbandiges Internet fehlt, kann das ganz schnell zum echten Problem werden. Wir begrüßen, dass im Koalitionsvertrag steht, dass bis 2025 flächendeckend Gigabit-Internet zur Verfügung gestellt werden soll. Aber ähnliches stand schon in vielen Koalitionsverträgen. Die Umsetzung ist entscheidend. In den letzten vier Jahren ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur damit gescheitert, das hat jüngst auch der Bundesrechnungshof bestätigt. Wir werden der neuen Bundesregierung auf die Finger schauen und sie beim Wort nehmen.

Zuletzt die Frage: Welchen Rat geben Sie Existenzgründern mit auf den Weg?

1. Vertraut eurem Instinkt. Keiner kennt euer Produkt besser als ihr selbst, hat auch nur annähernd so viel Zeit damit verbracht es zu verbessern. Hört also nicht auf jeden gut gemeinten aber schlechten Ratschlag. Verwechselt das aber nicht mit Beratungsresistenz.

2. Habt keine Angst, Pläne zu verändern oder in den Wind zu schlagen. Nichts ist gewiss außer die stete Veränderung. Das gilt auch für euer Produkt, euren Markt und den Match zwischen beiden. Wenn ihr merkt, dass es nicht funktioniert: Fangt von vorne an und haltet auch nicht an etwas fest, das nicht funktioniert, nur weil ihr schon viel Arbeit reingesteckt habt.

3. Seid hartnäckig. Kaum etwas ist so intensiv und anstrengend wie die Gründungsphase eines Startups. Es gibt keine Blueprints für das, was ihr vorhabt. Vieles ist mühselig und geht schief. Das, was euch zum Erfolg bringen wird, ist das Dabeibleiben.

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